Es ist üblich, in den ersten Jahren des Unternehmertums klassische Anfängerfehler zu begehen. Unterberechnung, Annahme toxischer Kunden, Vernachlässigung meiner Liquidität, Erstellung einer Website, bevor ich auch nur einen Kunden hatte. Jeder dieser Fehler hat mich Zeit und Geld gekostet.
Ein Mentor hätte sagen können: „Mach das nicht." Und mir 18 Monate gespart hätte.
Was ein Mentor bringt (und was nicht)
Ein guter Mentor ist kein Berater, der die Arbeit für Sie erledigt. Es ist jemand, der den Weg vor Ihnen gegangen ist und seine Erfahrung teilt, damit Sie in die gleichen Fallen tappen.
Das bringt er mit:
- Abstand zu Ihren Entscheidungen (wenn Sie mit dem Kopf im Getriebe stecken, sehen Sie nichts mehr)
- Branchenkenntnisse (die echten Codes Ihres Handwerks, nicht die aus den Büchern)
- Ein Netzwerk von qualifizierten Kontakten
- Ein Verantwortungsrahmen (die einfache Tatsache, dass Sie jemandem Rechenschaft ablegen müssen, bringt Sie voran)
Das bringt er nicht mit:
- Finanzierung (mit Ausnahmen)
- Eine Erfolgsgarantie
- Kunden (auch wenn das vorkommt, ist das nicht das Hauptziel)
Wo man einen Mentor findet
Die strukturierten Netzwerke
Réseau Entreprendre — das bekannteste. 15.000 ehrenamtliche Geschäftsführer begleiten Gründer und Übernehmer. Die Begleitung ist kostenlos und mit einem Ehrenkredit verbunden. Die Überlebensquote von Unternehmen nach 3 Jahren liegt bei 89% (gegenüber 66% im nationalen Durchschnitt).
Initiative France — Netzwerk von 229 lokalen Plattformen. Gleiches Prinzip: Ehrenkredit + Begleitung durch einen Unternehmerpaten.
BGE (ehemals Boutique de Gestion) — personalisierte Begleitung für Gründer mit professionellen Beratern und einem Mentornetzwerk.
Die IHKs und Handwerkskammern — lokale Patenschaftsprogramme, oft unbekannt, aber von guter Qualität.
Die informellen Netzwerke
Unternehmerclubs — CJD (Zentrum der Jungen Führungskräfte), APM (Vereinigung für Managementfortschritt), DCF (Geschäftsführer Frankreichs). Die Mitgliedschaft ist kostenpflichtig, aber die Netzwerkqualität ist hoch.
Alumni Ihrer Ausbildung — ehemalige Schüler, ehemalige Kollegen, die Unternehmer geworden sind. Die vorhandene Verbindung erleichtert die Kontaktaufnahme.
LinkedIn — ja, aber nicht mit einer generischen Nachricht. Identifizieren Sie einen Unternehmer Ihrer Branche, folgen Sie seinen Inhalten einige Wochen lang, kommentieren Sie intelligent, dann senden Sie eine personalisierte Nachricht.
Die Online-Plattformen
Das Booster-Netzwerk vermittelt Kontakte zwischen erfahrenen Unternehmern und Gründern. Der Vorteil: Das Matching basiert auf sektoraler und geografischer Komplementarität, was die Relevanz der Beziehung erhöht.
Wie man einen potenziellen Mentor anspricht
Die absolute Regel: Respektieren Sie seine Zeit. Ein Geschäftsführer, der sich zum Mentor erklärt, tut dies ehrenamtlich und zusätzlich zu seinen eigenen Verantwortungen.
Der funktionierende Ansatz:
- Erklären Sie Ihr Projekt kurz (3 Zeilen, nicht ein 15-seitiger Geschäftsplan)
- Erklären Sie, warum Sie IHN gewählt haben (keine kopierten Massenbrief-Nachrichten)
- Schlagen Sie ein genaues Format vor: „30 Minuten bei einem Kaffee" oder „ein Anruf von 20 Minuten einmal pro Monat"
- Verlangen Sie beim ersten Austausch nichts mehr als Ratschläge
Was nicht funktioniert:
- „Hallo, wir suchen einen Investor" (Sie suchen einen Mentor, nicht einen Investor)
- „Können Sie mich Ihren Kunden vorstellen?" (ein Mentor ist kein externer Verkäufer)
- „Es bräuchte jemanden, um diesen Geschäftsplan zu validieren" (das ist eine Beratungsmission, kein Mentorat)
Die Mentoringbeziehung pflegen
Gutes Mentorat bedeutet:
- Ein regelmäßiges Treffen (monatlich ist das Minimum, zweiwöchentlich ist ideal)
- Sie kommen vorbereitet an (mit präzisen Fragen, nicht „na, wie geht's")
- Sie wenden die Ratschläge an (nichts frustrierender für einen Mentor, als einen Rat zu geben, der nie befolgt wird)
- Sie berichten über die Ergebnisse (auch die Misserfolge, besonders die Misserfolge)
- Sie bringen auch etwas mit (eine Info, einen Kontakt, eine Erfahrung)
Mentorat ist die rentabelste Investition, die ein Unternehmer tätigen kann. Kosten: null Euro. Rendite: Jahre an gesammelter Erfahrung.