Der Markt ist verlockend: 180.000 Euro für die vollständige Renovierung einer Schule. Elektrik, Sanitär, Anstrich, Schreinerei. Sie sind Elektriker und wissen, dass die Elektrik etwa 45.000 Euro wert ist. Aber die Ausschreibung erfolgt als Gesamtlos. Zu groß für Sie allein.
Hier kommt die Arbeitsgemeinschaft ins Spiel.
Die Arbeitsgemeinschaft in 5 Minuten
Eine Arbeitsgemeinschaft (ARGE) ist eine zeitlich begrenzte Vereinigung mehrerer Unternehmen, um gemeinsam an einem Auftrag zu arbeiten. Es ist keine Gesellschaft: keine juristische Gründung, kein Kapital, keine Registrierung. Es ist ein Vertrag zwischen Fachleuten für einen bestimmten Auftrag.
Es gibt zwei Formen:
Die unabhängige Arbeitsgemeinschaft — jedes Mitglied ist nur für sein Los verantwortlich. Der Elektriker antwortet für die Elektrik, der Klempner für die Sanitär. Das ist die häufigste und einfachste Form.
Die Arbeitsgemeinschaft mit Gesamthaftung — jedes Mitglied haftet solidarisch für den gesamten Auftrag. Riskanter, aber manchmal vom Auftraggeber bei komplexen Aufträgen verlangt.
Eine Arbeitsgemeinschaft in 4 Schritten gründen
1. Erforderliche Kompetenzen ermitteln
Lesen Sie die Leistungsbeschreibung und erstellen Sie eine Liste der erforderlichen Kompetenzen. Für unser Schulrenovierungsbeispiel:
- Elektrik (Ihre Spezialität)
- Sanitär/Heizung
- Anstrich/Beläge
- Schreinerei/Schlosserei
2. Die richtigen Partner finden
Das ist der entscheidende Schritt. Sie benötigen zuverlässige, kompetente und verfügbare Unternehmen für den Auftragszeitraum. Ihre Quellen:
- Ihr direktes berufliches Netzwerk
- Verzeichnisse der Handwerkskammern
- Netzwerkplattformen wie das Réseau Booster
- Subunternehmer, mit denen Sie bereits gearbeitet haben
3. Den Bevollmächtigten bestimmen
Der Bevollmächtigte ist der einzige Ansprechpartner des öffentlichen Auftraggebers. Er koordiniert die Arbeitsgemeinschaft, unterzeichnet den Auftrag und regelt die administrative Beziehung. Wählen Sie das erfahrenste Mitglied in öffentlichen Aufträgen oder das Mitglied mit dem größten Los.
4. Die Arbeitsgemeinschaftsvereinbarung verfassen
Dieses interne Dokument definiert:
- Die Aufteilung der Lose und Summen
- Die Verantwortung jedes Mitglieds
- Die Rolle und Vergütung des Bevollmächtigten (normalerweise 2 bis 5% der Gesamtsumme)
- Den Einsatzkalender
- Die Abrechnungsregeln
- Die Konfliktlösungsmodalitäten
Die Vorteile, die öffentliche Auftraggeber schätzen
Eine gut strukturierte Arbeitsgemeinschaft von lokalen Kleinunternehmen bietet Argumente, die Großunternehmen nicht haben:
- Nähe — die Mitglieder sind vor Ort, reaktiv und in der lokalen Wirtschaft verankert
- Flexibilität — kleine Unternehmen passen sich schneller an als große Strukturen
- Ortskenntnisse — Sie kennen die lokalen Besonderheiten, regionalen Vorschriften, Standortanforderungen
- Lokalwirtschaft — öffentliche Auftraggeber werden zunehmend sensibel für die lokale Auswirkung ihrer Aufträge (CSR-Kriterium)
Fallstricke vorausplanen
Der ausfallende Partner — planen Sie eine Ersatzklausel in die Vereinbarung ein: Falls ein Mitglied seinen Verpflichtungen nicht nachkommen kann, kann der Bevollmächtigte es ersetzen.
Der Verzögerungseffekt — ein verspätetes Los blockiert die folgenden. Erzwingen Sie interne Vertragsstrafen und regelmäßige Fortschrittskontrolle.
Die Gruppenabrechnung — der Auftraggeber bezahlt den Bevollmächtigten, der verteilt weiter. Hat der Bevollmächtigte finanzielle Schwierigkeiten, sind die anderen Mitglieder blockiert. Lösung: Fordern Sie vom Auftraggeber eine direkte Bezahlung an jeden Beteiligten (möglich und häufig).
Die Arbeitsgemeinschaft ist eine mächtige Waffe für kleine Unternehmen. Durch die Bündelung Ihrer Kräfte erhalten Sie Zugang zu Aufträgen, die Ihnen verschlossen waren, und bauen sich kollektive Glaubwürdigkeit auf.